Sie sind hier : Startseite →  Historie und Geschichte→  Über die "Wahrheit"→  1914-Geschichte des 1.Weltkriegs→  Geschichte des 1.Weltkriegs-05/2
Allgemeine Kriegszeitung 1914

"Die Wahrheit" - eine Betrachtung an Beispielen unserer deutschen Geschichte

Alleine die Definition von "Wahrheit" stellt die allermeisten intelligenten Menschen vor ein unlösbares Problem, nahezu identisch mit der unlösbaren Definition von "Gerechtigkeit". Es gab aber Zeiten, da wurde die "Wahrheit" von ganz oben diktiert. Und sie wurde erheblich mißbraucht, um zum Beispiel den Krieg als des "Volkes Wille" in die Köpfe der reichs- deutschen Bevölkerung zu tragen.
Auf den nachfolgenden Seiten lesen Sie viele Artikel aus einer deutschen Wochen- Zeitschrift über den Beginn des ersten Weltkrieges 1914 und den Verlauf dieses Krieges, den das Deutsche Reich samt der österreichischen k&k-Monarchie haushoch verloren hatte. Die besondere Aufmerksamkeit beim Lesen sollte sich auf die heroischen "auschmückenden" Attribute der kriegsverherrlichenden Beschreibungen richten.

Und wie man auch in modernen Zeiten die Wahrheit "manipulieren" könnte oder kann, lesen Sie in dem Buch des Dr. Eduard Stäuble (Fernsehen - Fluch oder Segen) aus dem Jahr 1979.

Diese "Betrachtungen" und Beispiele hier sind noch in Arbeit !

.

Illustrierte Kriegssberichte.

.

Die Verpflegung unserer Heere.

(Hierzu die Bilder im Heft Seite 93, 94, 95 und die Kunstbeilage.)
Die Verpflegung der Armeen hat stets eine große, häufig sogar ausschlaggebende Rolle in den Kriegen aller Zeiten gespielt und die Aussprüche Friedrichs des Großen: „Der Weg zum Sieg geht durch den Magen des Soldaten“ und „Die Kunst zu siegen ist machtlos ohne die Kunst zu verpflegen“ - sind heute noch in gewissem Sinne zutreffend. Was vor 150 und vor 100 Jahren, "wo" es noch keine Schienenwege gab, bezüglich der Abhängigkeit der Kriegsführung von den Hilfsmitteln für Verpflegung galt, das gilt heute in der Zeit der Eisenbahnen noch ebenso, weil die Vorteile des erleichterten Verkehrs- und Transportwesens ausgeglichen werden durch die in dem Anwachsen der Heeresziffern liegenden Schwierigkeiten der Massenverpflegung.
 
Wenn vor 150 Jahren sich auf einem Kriegschauplatz selten mehr als 70.000 - 80.000 Mann auf jeder Seite gegenüberstanden und die französische „große Armee“ im Jahre 1812 etwa 500.000 Mann stark war, so hatten schon im Jahre 1870 die mobilen deutschen Truppen die Zahl einer Million nahezu erreicht, der jetzige Krieg aber sieht weit größere Menschenmassen auf jeder Seite des Kampffeldes vereinigt. Daß die Verpflegung solcher auf verhältnismäßig engem Raum versammelten Massen trotz der heutigen Kultur- und Verkehrsverhältnisse eine schwierige Aufgabe ist, muß ohne weiteres einleuchten und ebenso, daß es der sorgfältigsten und umfassendsten Vorbereitungen schon im Frieden bedarf, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein, die mit der Mobilmachung plötzlich an die Heeresleitung herantritt.

Hier die Gewichte in Kilogramm

Ein Armeekorps bedarf täglich rund 45.000 Kilogramm an Verpflegung für die Mannschaften und 90.000 Kilogramm an Hafer für die Pferde; vervielfältigt man diese Summe des Tagesbedarfs eines Armeekorps für ein Millionenheer, so wird man erkennen, welche ungeheuren Massen von Proviant nötig sind, um dessen Bedürfnisse zu befriedigen. Ohne einige trockene Zahlen läßt sich kein richtiges Bild von dem ganzen Verpflegungsapparat einer Armee gewinnen. Der Weg dazu führt am besten vom kleinen zum großen, von den Bedürfnissen des einzelnen Mannes zu dem Bedarf der größeren Gesamtheit im Armeekorps- und Armeeverband und zu dessen Deckung und Bereitstellung, und damit im Zusammenhang zu einem allgemeinen überblick über die verschiedenen Arten der Verpflegung des Heeres im Aufmarschgebiet und auf dem Kriegschauplatz.

Die gegen die gewöhnliche Friedensbeköstigung des Mannes erhöhte Kriegsportion - die Feldkost - welche sämtlichen im mobilen Verhältnis befindlichen Mannschaften, Offizieren und Beamten gewährt wird, besteht in der Brotportion: 750 Gramm Brot oder 500 Gramm Feldzwieback, und der Beköstigungsportion: 375 Gramm frisches oder gesalzenes Fleisch, oder statt dessen 200 Gramm geräuchertes Fleisch, Speck, Fleischwurst, Dauerwurst oder Fleischkonseroen; an Gemüsen: 125 Gramm Reis, Graupen oder 250 Gramm Hülsenfrüchte oder Mehl, oder 1500 Gramm Kartoffeln, oder 150 Gramm Gemüsekonserven, oder 60 Gramm Dörrgemüse, oder die Hälfte der Portionssätze für Gemüse und 500 Gramm Kartoffeln; 25 Gramm ge
brannten Kaffee oder 8 Gramm Tee mit 17 Gramm Zucker; 25 Gramm Salz.

Diese Portion kann in Feindesland auf Befehl des Kommandierenden Generals - beziehungsweise über die Dauer von zwei Tagen auf Befehl des Armeeoberkommandos 9 erhöht oder durch Zutaten von Getränken und Zigarren ergänzt werden. Das durchschnittliche Gewicht einer Kriegsportion ist 1.100 Gramm. In lebenden Stücken läßt sich der tägliche Bedarf an frischem Fleisch  angeben: für ein Bataillon auf 2 Ochsen oder 5 Schweine oder 18 Kälber oder Hammel, für ein Kavallerieregiment auf 1 1/3 Ochsen oder 3 Schweine oder 12 Kälber (Hammel).

Für eine Eskadron oder Batterie 1/3 Ochse oder 2/3 Schweine oder 8 Kälber (bei Magervieh das Doppelte); für ein Armeekorps auf etwa 60 Ochsen täglich. Die Kriegsration soll bestehen für die Reitpferde aus 6 Kilogramm Hafer, 2,5 Kilogramm Heu und 1,5 Kilogramm Futterstroh, für die Zugpferde der schweren Artillerie des Feldheeres und der Belagerungstrains aus 12 Kilogramm Hafer, 7,5 Kilogramm Heu und 3 Kilogramm Futterstroh.

Der eiserne Bestand - Verpflegungsvorrat für den Notfall

Unabhängig von der dem regelmäßigen Verpflegungsmodus zugrunde liegenden Kriegsportion führt die Truppe als einen dauernden Verpflegungsvorrat für den Notfall einen eisernen Bestand mit sich, bestehend in drei - bei der Kavallerie neben einer Portion Fleisch- und Gemüsekonserven zwei - eisernen Portionen, zu der gehören: 250 Gramm Eier- oder Feldzwieback, 200 Gramm Fleischkonserven, 150 Gramm Gemüsekonserven, 25 Gramm Salz und 25 Gramm Kaffee im Gewicht von 750 Gramm einschließlich Verpackung in Ein- bzw. Zweiportionsbüchsen.

Die Unterbringung des eisernen Bestandes erfolgt bei den Fußtruppen für zwei Portionen im Tornister, für die dritte in den fahrbaren Feldküchen; bei der Kavallerie für eine Portion und die Fleisch- und Gemüsekonserven in den Packtaschen, für die andere im Lebensmittelwagen; bei den übrigen Truppen und Formationen teils im Tornister, teils auf den Pferden oder Fahrzeugen. Auf die Behütung dieses „Notpfennigs“- ist die ganz besondere Aufmerksamkeit der Vorgesetzten hingewiesen:

„Alle Offiziere haben die Pflicht, innerhalb ihres Befehlsbereichs mit allen Mitteln auf die Erhaltung des eisernen Bestandes hinzuwirken. Den Mannschaften muß der Wert dieses Verpflegungsvorrates für ihre Selbsterhaltung klargemacht werden,“ so bestimmt die Felddienstordnung. Der Verbrauch darf nur im Notfall und bei vollständigem Mangel anderer Verpflegungsmittel mit Genehmigung der Vorgesetzten - und auch von diesen nur eine Portion - eintreten und muß darüber sofort nach oben gemeldet und der Bestand sobald als möglich wieder ergänzt werden.

In gleicher Weise führen als eiserne Rationen mit: Kavallerie für Zugpferde drei Rationen auf den Fahrzeugen, für die Reitpferde eine Drittelration auf den Pferden zum täglichen Verbrauch, für deren Ersatz sofort zu sorgen ist; die Fußtruppen und Trains für Reitpferde eine, für Zugpferde drei Rationen, Artillerie und sonstige Formationen anderthalb bis zwei, teils auf den Pferden, teils auf den Fahrzeugen. Die Ration kommt in bezug auf Hafer der Tagesration gleich; Heu und Stroh gehören nicht zur eisernen Nation, weil beides zu viel Raum beansprucht und bei gutem Wetter leicht verstaubt, bei schlechtem verfault.

Verpflegung einer Infanteriedivision (16.400 Mann, 3400 Pferde)

Wie groß die Menge der benötigten Fourage ist, zeigt ein Vergleich des Gewichtsverhältnisses des Verpflegungsbedarfs einer Infanteriedivision (16.400 Mann, 3400 Pferde) für Mann und Pferd, indem einem Gewicht der Portionen von 18.000 Kilogramm etwa 20.000 Kilogramm für Rationen gegenüberstehen, also beinahe gleiche Zahlen gegenüber einem Verhältnis von Mann und Pferd wie 5:1.

Die nächste Vorratskammer nach dem Tornister des einzelnen Mannes und den Truppenfahrzeugen sind die den Truppenteilen zugeteilten Lebensmittel- und Futterwagen: für jede Kompanie der Fußtruppen ein zweispänniger Lebensmittelwagen, für jede Maschinengewehrabteilung, Eskadron, Batterie und Feldluftschiffetahteilung ein Lebensmittelwagen und ein vierspänniger Futterwagen.

Diese Wagen werden sofort nach der Mobilmachung auf dem Wege der Aushebung beschafft, sofern nicht die Truppenteile solche schon im Frieden angekauft haben. Mit einer Ladung von 500 Kilogramm sind die Lebensmittelwagen imstande, eine vollständige Portion (einschließlich Brot),
eine dreitägige Teeportion, eine eintägige Haferration für die Offizierspferde und das zum Backen von Brot und Schlachten von Vieh erforderliche Gerät mitzuführen und in der Regel noch eine zweite Portion ohne Fleisch zu verladen. Der vierspännige Futterwagen mit einem Ladegewicht von 1000 Kilogramm führt eine Haferration für die Reitpferde der Kavallerie und reitenden Artillerie und für sämtliche Pferde der fahrenden Artillerie. Bei der Kavalleriedivision führt der Futterwagen der leichten Munitionskolonne noch eine Verpflegungsportion mit.

Zu den Lebensmittelwagen des Infanterie-, Jäger- und Pionierbataillons, des Kavallerieregiments und schweren Fußartilleriebataillons tritt noch ein für die Truppe sehr wertvoller Wagen, der Marketenderwagen zum Vertrieb von Genuß- und Verbrauchsartikeln nach Anordnung des Truppenkommandeurs, sowie unter Umständen der Wasserversorgungswagen.
.

Die fahrbaren Feldküchen

Eine weitere der Neuzeit angehörige Verpflegungseinrichtung von besonderer Bedeutung ist die Ausrüstung der Truppe mit der fahrbaren Feldküche für jede Infanterie-, Jäger- und Pionierkompanie und jede Batterie der schweren Artillerie des Feldheeres.

Dieser zweispännige Küchenwagen mit Protze und Hinterwagen hat in letzterem einen 200 Liter fassenden Speisekessel sowie einen 70 Liter
fassenden Kaffeekessel und ist bestimmt, der Truppe die mühsame und zeitraubende Arbeit des Kochens nach ermüdenden Märschen im Biwak abzunehmen. Er hat deshalb auch seinen Platz in der Marschkolonne bei der die Truppe unmittelbar begleitenden Gefechtsbagage. Die Speisen, die schon abends Vorher oder in der Frühe angekocht und in dem Kessel während des Marsches zubereitet werden, können beim Übergang der Truppe zur Ruhe sofort zur Verausgabung gelangen.

Der große Vorteil, der in der Entlastung des Mannes von der Arbeit des Kochens liegt, wird noch wesentlich dadurch erhöht, daß die Speisen meist besser und schmackhafter zubereitet sind, als dies sehr häufig im Biwak unter erschwerenden Umständen, durch Unkenntnis oder Ermüdung der Mannschaften, nasses Holz, regnerisches windiges Wetter, mangelnde Zeit und dergleichen, möglich ist. Vielfach ist im Feldzug das Kochen nach übermäßigen Anstrengungen ganz unterblieben. Die Feldküchen ermöglichen es, dem Soldaten die Hauptmahlzeit nicht erst nach langen Märschen, oft spät abends zu verabreichen, sondern zu geeigneten Zeiten in den Mittagstunden bei längeren Nuhepausen. Mit der durch die Feld küchen gegebenen Möglichkeit einer regelmäßigeren und besseren Beköstigung des Mannes wird eine erfahrungsmäßig häufige Ursache von gesundheitsschädigender Überanstrengung und Schwächung des Soldaten beseitigt und dadurch seine Widerstandskraft gegen Krankheiten epdemischen Charakters erhöht.
.

Proviant- und Fuhrpark- und Feldbäckereikolonnen

Eine beweglich Verpflegungsreserve in größerem Rahmen bilden die Proviant- und Fuhrparkkolonnen und die beiden Feldbäckereikolonnen des Armeekorps. Die Proviantkolonnen, die besser bespannt und weniger belastet sind als die Fuhrparkkolonnen, um den Truppen leichter folgen zu
konnen, werden in der Regel mit sämtlichen Verpflegungsbedürfnissen für einen bestimmten Truppenteil beladen, und zwar mit Dauerartikeln, Speck, Zwieback, Fleischkonserven und Hafer - kein Brot und kein frisches Fleisch - und werden möglichst lange zurückgehalten, um erst auszuhelfen, wenn andere Verpflegungsarten versagen. Eine Proviantkolonne deckt den Verpflegungsbedarf für etwa eine Infanteriedivision an Portionen auf einen, an Rationen auf einen halben Tag. Eine Fuhrparkkolonne, 60 Planwagen, ladet das Doppelte einer Proviantkolonne und deckt den Tagesbedarf einer Infanteriedivision und einer Staffel der Munitionskolonnen und Trains. Der Tagesbedarf einer Kavalleriedioision für Mann und Roß kann auf einer Proviantkolonne untergebracht werden. Die Gesamtzahl der 13 Verpflegungskolonnen eines Armeekorps deckt den viertägigen Bedarf des Armeekorps und einer halben Kavalleriedivision, so daß die Verpflegung eines Armeekorps durch die auf den Truppenfahrzeugen und Verpflegungskolonnen mitgeführten Verpflegungsbedürfnisse, unabhängig von Quartier und Magazin, auf 8-9 Tage gesichert ist - Proviant- und Fuhrparkkolonnen 4 Tage, Lebensmittelwagen 1-2 Tage, eiserner Bestand 8 Tage.

Für die sichere Lieferung des Brotes, des wichtigsten, weil von dem Mann am schwersten zu entbehrenden Verpflegungsartikels, sind die beiden Feldbäckereikolonnen des Armeekorps bestimmt. Alle Ersatzmittel, Zwieback und andere Surrogate, bleiben eine unvollkommene Aushilfe. Eine Feldbäckereikolonne mit 12 fahrbaren Backöfen neuer Art (Grove) ist imstande, in 24 Stunden bei ununterbrochenem Betrieb 28.000 Portionen zu 1,5 Kilogramm, bei täglichem Ortswechsel 18.000 Portionen zu erbacken. Ein gewöhnlicher Backofen backt in derselben Zeit auf den Quadratmeter Ofenfläche etwa 250 Brotportionen.
.

Ausführung und Uberwachung des gesamten Verpflegungsdienstes

Die Ausführung und Uberwachung des gesamten Verpflegungsdienstes bei den Infanterie-, Jäger- und Pionierbataillonen, den Kavallerieregimentern, Feldartillerieabteilungen und Fußartilleriebataillonen, und außerdem bei jedem Generalkommando und Armeeoberkommando, liegt in der Hand des jedem dieser Truppenteile beigegebenen Verpflegungsoffiziers (Leutnant). Er besorgt den Empfang und eintretendenfalls den Ankauf und die Beitreibung der Lebensmittel, überwacht den pünktlichen Verkehr der Verpflegungsfahrzeuge zwischen Truppe und Empfangsstelle und ist überhaupt für den ordnungsmäßigen Gang des ganzen Verpflegungsdienstes der Truppe verantwortlich.

Die Verpflegung der Truppen während der Eisenbahnfahrt nach dem Aufmarschgebiet (siehe Kunstbeilage) ist durch die Militärtransportordnung und die Kriegsverpflegungsvorschrift geregelt und in den an den Eisenbahnlinien dafür bestimmten Verpflegungsstationen vorgesehen, welche spätestens vom vierten Mobilmachungstage an im Betrieb sein müssen.

Die Auswahl der Stationen trifft die Eisenbahnabteilung des Großen Generalstabs unter dem Gesichtspunkte, daß die Militärtransporte innerhalb 24 Stunden möglichst drei, mindestens aber zwei Verpflegungsstationen benutzen können. Zwischen je zwei Verpflegungsstationen wird in der Regel eine Tränkstation und an dieser bei großem Fahrabstand der Verpflegungsstationen noch eine Marketenderei eingerichtet.

Für die vollen Kriegsverpflegungsanstalten werden schon im Frieden die Vorbereitungen zur Anlage von Küchen, Speiseschuppen, Marketendereien und Tränkanstalten getroffen; die Verpflegung, für die im Fahrplan im allgemeinen ein einstündiger Aufenthalt vorgesehen ist, erfolgt möglichst von 8 zu 8 Stunden mit zweimaliger warmer Kost innerhalb 24 Stunden zwischen 6 Uhr vormittags und 10 Uhr nachmittags.

Die Verpflegung der Armee im Aufmarschgebiet

Die Verpflegung der Armee im Aufmarschgebiet steht unter der obersten Leitung des Generalintendanten des Feldheeres, der seine Anweisungen nach den Anordnungen des Generalinspekteurs des Etappen- und Eisenbahnwesens trifft. Er regelt den Verpflegungsdienst nach den schon im Frieden getroffenen Vorbereitungen und leitet die gesamten Nachschubverhältnisse, damit den ihm unterstellten Organen, den Intendanturen der Armeen und Armeekorps.

Soweit als irgend möglich erfolgt die Verpflegung des Feldheeres im Aufmarschgebiet durch die Quartierwirte, als der für die Truppe bequemsten und vorteilhaftesten Form. Zu den Vorbereitungen der Verwaltungsbehörden im Frieden gehört in dieser Beziehung ein sorgfältiges Studium über die Produktions- und Konsumtionsverhältnisse und die darauf zu gründende Leistungsfähigkeit des in Frage kommenden Gebietes. Für ein Armeekorps mit einem täglichen Bedarf von 37.000 - 40.000 Portionen und 10.000 Rationen ist im allgemeinen ein Raum von 500 Quadratkilometern erforderlich, und man darf unter günstigen Verhältnissen darauf rechnen, auf dem Lande das Drei- bis Vierfache der Einwohnerzahl auf einige Tage verpflegen zu können. Bei voraussichtlich längerer Dauer und bei der Anhäufung großer Massen muß aber nach ausgesprochener Mobilmachung sofort mit der Anlage ausreichender Magazine in und hinter dem Aufmarschgebiet vorgegangen und deren Füllung in die Wege geleitet werden.

Für die Verpflegung in Feindesland gilt als oberster Verwaltungsgrundsatz, daß der Bedarf an Verpflegungsmitteln in erster Linie im Bereich der operierenden Armee durch die Truppen oder die Verwaltungsbehörden selbst zu decken ist und die Vorräte des Etappengebietes zunächst eine Reserve bilden. Darum wird auch nach Überschreiten der feindlichen  Grenze soweit als möglich die Verpflegung durch die Quartierwirte beibehalten. Sie wird aber bei den jetzigen Heeresmassen in enger schlachtbereiter Versammlung auch ohne jede absichtliche Entziehung der Vorräte durch die feindlich gesinnten Landeseinwohner oft versagen, und es muß dann neben etwaigem freihändigem Ankauf die Beitreibung eintreten.

Sie ist die ergiebigste Form, vom Kriegschauplatz zu leben, und erfolgt entweder seitens der Truppen selbst für ihren eigenen Bedarf oder in größerem Umfang seitens der Intendanturen unter Unterstützung durch die Truppen. Zur Vermeidung von Ausschreitungen, die durch die Kriegsartikel mit strenger Strafe bedroht sind, dürfen Beitreibungen der Truppen nur unter Führung von Offizieren, und, soweit keine Zahlung erfolgt, gegen gewissenhaft ausgestellte Bescheinigungen unternommen werden. Der Ankauf hat den Vorteil, daß die Macht des Geldes häufig noch manche verborgenen Vorräte zutage fördert, die der einfachen Forderung vorenthalten werden. Besonders ergiebig sind die noch unberührten feindlichen Gebiete, die von der vorausgehenden Heereskavallerie oder von den vordersten Marschkolonnen betreten werden. Hier gilt es, nicht unnütz verschwenderisch mit den vorgefundenen Vorräten zu verfahren, sondern etwaigen Uberfluß für die nachfolgenden Truppen sicherzustellen.
.

Die Nacht von Andenne.

(Ein Kampf mit Franktireurs.) Von Dr. Alex Berg. *) (Hierzu das Bild Seite 89.)

Unser Reservekorps hatte den Befehl erhalten, die Festung Namur zu belagern und zu diesem Zweck am 20. und 21. August die Maas bei der Fabrikstadt Andenne zu überschreiten. Zurückgehende feindliche Truppen hatten die recht ansehnliche steinerne Brücke, die beide Teile der Maas verbindet, gesprengt. Unter dem Schutz von Infanterie hatten die Pioniere eine neue Brücke geschlagen, deren Fertigstellung am Nachmittag des 20. August erfolgt war, so daß gegen fünf Uhr mit dem Durchmarsch der Truppen durch die Stadt und dem Überschreiten der Maas begonnen werden konnte.

*) Diese Schilderung einer Franktireurnacht, die wir der „Frankfurter Zeitung" mit deren Einverständnis entnehmen, stammt aus der Feder eines bekannten und angesehenen Frankfurter Rechtsanwalts, der dabei selbst verwundet wurde; sie zeigt recht anschaulich, wie erbittert und heimtückisch unsere Truppen in Belgien von der Bevölkerung überfallen wurden. Die Vorgänge von Andenne bilden insofern ein Seitenstück zu Löwen, als auch in Andenne der Kampf, nachdem er anscheinend unterdrückt worden war, immer erneut mit aller Heftigkeit wieder losbrach. Die Schilderung macht es begreiflich, wenn schließlich ein ganzer Ort in Flammen aufgehen muß. Es wäre sehr zu wünschen, daß sowohl die belgische Regierung wie das neutrale Ausland von solchen Schilderungen Kenntnis bekommen; sie werden alsdann verstehen, daß unseren wackeren Truppen nichts anderes übrig bleibt, als sich vor weiteren hinterlistigen Überfällen unter allen Umständen zu schützen. Immer wieder muß die belgische Regierung für dieses nutzlose Blutvergießen vor aller Welt verantwortlich gemacht werden.

Es war gegen halb sieben Uhr abends, als die leichten Munitionskolonnen der Artillerie, die ich führte, etwa zehn Kilometer vor Andenne angelangt waren, um sich in die Kolonne des Gros einzuschieben. Wir machten vor einem Dorf, an dem die Landstraße nach Andenne vorbeiführt, Rast. Andenne selbst war unseren Blicken durch vorgestreckte bewaldete Anhöhen entzogen. Plötzlich vernahmen wir in der Richtung nach Andenne heftiges Gewehrfeuer, das etwa eine Stunde lang anhielt und von dem Donner einiger Kanonenschüsse begleitet war. Dann wurde es still.
.

Achtung - die Brunnen sind vergiftet

Wir zogen langsam durch das Dorf nach der Landstraße. Vor einzelnen Häusern mit Brunnen standen Trinkeimer. Da wurde von Vorne der Befehl durch die Truppen weitergegeben: „Nicht aus den Brunnen trinken; die Brunnen sind vergiftet.“ Gleich darauf pflanzte sich der weitere Befehl durch die Truppen durch: „Revolver heraus, Achtung auf Franktireurs !“ Diese Warnung war nur zu berechtigt. Denn wenige Minuten später galoppierte ein Unteroffizier mit der Meldung heran, daß er mit seinen Leuten aus einem Haus beschossen worden sei. Sofort drang die begleitende Infanterie in das Anwesen ein, erschoß die erwachsenen männlichen Einwohner und steckte das Haus in Brand.

Langsam vorrückend, näherten wir uns bei einbrechender Nacht Andenne. Über dem bewaldeten Höhenrücken, hinter dem die Stadt liegen mußte, glänzte in breiter Ausdehnung ein Feuerschein, bald stärker, bald schwächer werdend, das sichere Anzeichen eines gewaltigen Brandes. Um elf Uhr nachts waren wir auf der Höhe angelangt. Da bietet sich unseren Augen ein wunderbar grausiger Anblick. Vor uns in der Maasebene liegt eine brennende Stadt - Andenne - brennend an allen Ecken und Enden. Der Brand mußte schon stundenlang gewütet haben. Denn von vielen Häusern , insbesondere Fabriken, stehen nur noch die Mauern, zwischen denen brennende, glühende Balken mit lautem Krachen zusammenstürzen. An anderen Stellen, an denen das Feuer besonders günstige Nahrung gefunden hat, lodern die Flammen zum Himmel empor, das furchtbare Schauspiel grell beleuchtend. Es war kein angenehmes Gefühl, in diese Stadt zwischen brennende Häuser einzureiten, immer gewärtig, von glühenden Balken getroffen zu werden.
.

Gefärbte Kriegspropaganda

Unsere Vermutung, daß hierpor wenigen Stunden ein erbitterter Straßenkampf getobt haben mußte, wurde zur Gewißheit, als wir beim weiteren Ginrücken die Leichen erschossener Franktireurs in wildem Durcheinander an den Rändern der Straße liegen sahen. Die innere, nach der Maas zu belegene Stadt, in die wir kurz nach Mitternacht einrückten, war vom Brand zum großen Teil verschont. Die Läden der Häuser waren geschlossen. Kein Licht zeigte sich. Alles schien in vollkommener Ruhe zu sein. Wir biegen gerade nach einem freien Platz ein, als unter meinem Pferd ein harter Gegenstand aufschlägt. In demselben Augenblick erdröhnt ein fürchterliches Krachen und Zischen unter mir, Feuerstrahlen schießen knatternd rechts und links an meinem Pferd empor, das noch einen gewaltigen Satz in die Höhe macht, dann nach der Seite zusammenbricht und mich zum Teil unter sich begräbt.

Das Platzen dieser Bombe war offenbar das verabredete Zeichen zum Beginn des Kampfes. Denn nun begann aus allen Häusern des Platzes ein geradezu ohrenbetäubendes Schießen auf die Fahrzeuge der Munitionskolonne, die in kurzen Abständen im Galopp über den Platz eilten, um dieser gefährlichen Zone zu entrinnen. Man schoß aus allen Fenstern, Kellerlöchern und Dachluken; man schoß von den Balkons, aus Schießscharten und aus den halbgeöffneten Haustüren. Rechts und links neben mir prasselten die Kugeln funkensprühend auf das Pflaster. Ich
versuchte, trotz der heftigsten Schmerzen, die ich infolge des Sturzes verspürte, meinen Schenkel unter dem Pferd herauszuziehen. Ich bildete hierbei für die Franktireurs jedenfalls ein bequemeres Zielobjekt, als die im Galopp dahinstürmenden Fahrzeuge. Endlich gelang es mir, mich freizumachen.

Ich versuche, mich auszurichten - da fällt aus unmittelbarer Nähe, aus einer Ecke des Platzes, ein Schuß. Ich sehe den Feuerschein, empfinde eine Erschütterung am Knie und spüre gleich darauf, wie Blut an meinem Schenkel herunterläuft. Ich raffe mich auf und taumle - begleitet von einem wüsten Kugelregen, aber begünstigt durch die Dunkelheit der Nacht - über den Platz nach der Straße - in welche die Fahrzeuge verschwunden waren, und sinke schließlich an der Treppe eines Gartens zusammen. Da knallt es auch schon hinter dem Gartentor und links und rechts hinter den Büschen und Bäumen und aus den Fenstern des Hauses auf der anderen Straßenseite gegen mich.

Ich raffe mich noch einmal auf, schieße mit der Pistole nach den Richtungen, aus denen ich die Feuerstrahlen leuchten sah, und wanke auf die Straße. Hier höre ich, wie im Galopp ein Munitionswagen über die Straße saust. Ich schreie dem Vorderreiter ein „Halt!“ zu, die Fahrer reißen die Pferde zusammen - und der Wagen steht. Ich rufe den Kanonieren zu, ich sei verwundet. Sie erkennen ihren Hauptmann an der Stimme, und während die Kugeln um die Räder sausen, werde ich langsam emporgehoben und auf die Protze des Munitionswagens gebettet.

In wenigen Minuten hatten wir die übrigen Fahrzeuge erreicht, die in einer ziemlich schmalen, nach der Maas hinführenden Straße zu zweien, vielfach auch zu dreien nebeneinander aufgefahren waren. An dieser Stelle war es ruhig, so daß sich die Munitionskolonne ordnen konnte, um den Übergang über die Brücke zu beginnen. Die Straße selbst wurde nur matt durch ein am Ende stehendes brennendes Gebäude erhellt.
.

Nur etwa 40 Mann verloren

Da ertönt plötzlich aus dem Haus, vor dem ich halte, mitten in die Stille der Nacht ein Schuß, ibm folgt aus dem Nachbarhaus ein zweiter, dritter, und
im Augenblick entwickelt sich aus beiden Häuserreihen auf die Kolonne eine wahnsinnige Schießerei. In blindem Fanatismus schießen die Franktireurs, ohne zu zielen und ohne nur einen Augenblick Ruhe zu geben, auf die Straße.

Eine Feuergarbe neben der anderen sprüht aus den Häusern heraus. Die Mannschaften der Artillerie und Infanterie erwidern das Feuer; Fensterscheiben rasseln klirrend zu Boden, Haustüren werden eingeschlagen. So entsteht in der schmalen Gasse ein solcher Höllenlärm, daß niemand sein eigenes Wort versteht. Da im Dunkel der Nacht und bei der bedrückenden Enge die Beschießung eigener Truppen nicht ausgeschlossen ist, ergeht der Befehl, das Feuer einzustellen. Das Schießen der Franktireurs dauert aber in gleicher Heftigkeit fort.

Plötzlich ertönt von der Maas her, erst schwach, dann immer stärker werdend, der mit Jubel aufgenommene Ruf „Andenne“ - das Losungswort des
Tages, herrührend aus den Kehlen der zu unserem Schutz herbeieilenden Gardeschützen. Sie flankieren die Straßenseiten, schießen nach jedem Fenster, hinter dem sich eine Bewegung zeigt, und bringen auf diese Weise das Feuer der Franktireurs sehr bald zum Schweigen. Unter diesem Schutz vollzog sich alsdann in den frühen Morgenstunden in aller Ruhe der Übergang über die Maas, der gegen vier Uhr beendet war.

Jetzt erfuhren wir auch, daß dieser ganze wohlorganisierte Straßenkampf ein Vorspiel hatte. Als am Abend zuvor, gegen sechs Uhr, der Übergang über die Maas begonnen hatte, sei der belgische Pfarrer mit einer Klingel durch die Stadt gezogen, um hiermit das Zeichen zum Kampf zu geben. Im Anschluß hieran habe ein heftiger Straßenkampf begonnen. Es war jenes Gefecht, das wir selbst von den Höhen vor Andenne gehört hatten. Eine Batterie, die gerade im Begriff stand, einzuziehen, habe dann die Stadt in Brand geschossen. Die feindselige Haltung der Bevölkerung sei um so weniger zu erwarten gewesen, als die Gardeschützen, die schon anderthalb Tage in der Stadt einquartiert waren, in der friedlichsten Weise mit der Bevölkerung verkehrt und sich anscheinend ihre Sympathien erworben hatten. Nachdem dann dieser erste Anschlag vereitelt war, hattet die Bevölkerung sich zunächst ruhig verhalten und das Einbrechen der Nacht abgewartet, um unter ihrem Schutz erneut in meuchlerischer Weise über die Truppen im Straßenkampf herzufallen. Die Franktireurs schossen ohne ruhiges Zielen in einer geradezu fanatischen Wut.

Diesem Umstand und dem Dunkel der Nacht ist es wohl zuzuschreiben, daß unsere Verluste nicht erheblich waren. Nur die Infanterie hatte, wie mir mitgeteilt wurde, in den Kämpfen etwa dreißig bis vierzig Mann verloren. Als im Morgengrauen die schweren Nebel von der Maas aufstiegen, sah man Häuser der Innenstadt, in denen der Straßenkampf getobt hatte, in Flammen aufgehen. Gleichzeitig ertönte über den Fluß herüber in einzelnen Zwischenräumen das kurze, aber furchtbare Knattern von Gewehrsalven. Das Strafgericht über Andenne hatte seinen Fortgang genommen.
.

Die Kämpfe bei Löwen.

(Hierzu die Bilder im Heft Seite 97-98-99-101)
Eines der blutigsten Ereignisse auf dem belgischen Kriegschauplatz ist das dreitägige Ringen in der Gegend von Löwen gewesen. Über die Kämpfe selbst ist bisher nur spärlich berichtet worden; was wir erfuhren, ist wenig und kam über Rotterdam. Doch das ist leicht erklärlich.

In jenen Tagen vom 21. bis 26. August folgten die hocherfreulichen Siegesmeldungen einander Schlag auf Schlag, vom Sieg des bayrischen Kronprinzen südlich von Metz bis zum Fall von Namur und Longwy. Darüber wurde der Vorstoß gegen Nordwesten, in der Richtung auf Antwerpen,
beinahe übersehen. Versteht man aber die kurzen Meldungen richtig zu lesen und mit den gleichzeitigen Ereignissen auf den benachbarten Kampfplätzen in Einklang zu bringen, so drängt sich auch hier wieder die Überzeugung auf, daß unsere braven Soldaten schier Unmögliches zu leisten und zu erdulden hatten.

Am 20. August rückten die deutschen Truppen in Brüssel ein; gleichzeitig eroberten sie bei dem etwa 60 Kilometer östlich gelegenen Tirlemont (Tienen) eine Anzahl Geschütze und machten 5.000 Gefangene. Am 22. siegte Herzog Albrecht von Württemberg an der Südgrenze von Belgien am Semois. Am 25. waren fünf Forts von Namur und die Stadt selbst in unserem Besitz. Am 27. wurden bereits die Engländer durch den Generalobersten v. Kluck bei Maubeuge, also auf französischem Boden, geschlagen, während gleichzeitig die Armeen der Generalobersten v. Bülow und Freiherr v. Hausen im Dreieck zwischen Sambre und Maas etwa acht Armeekorps französisch-belgischer Truppen niederrangen und vor sich hertrieben.
.

Löwen - eine verräterische Überrumplung durch Zivilisten ?

Wenn nun gleichzeitig von Antwerpen her starke Streitkräfte über Mecheln vorgestoßen waren, so ergibt sich ihre Bestimmung von selbst; sie sollten den deutschen rechten Flügel von der Seite oder gar vom Rücken her angreifen und zum Rückzug zwingen, um von dieser Seite her schließlich die ganze deutsche Stellung zu umfassen und aufzurollen. Der Plan scheiterte  an dem schnellen und kräftigen Vorstoß unserer Heere, wodurch in der feindlichen Front zwischen Brüssel und Maubeuge ein großes Loch entstand, das nicht mehr zufüllen war. Damit schwebte der Angriff der Belgier von Norden her in der Luft. Einige französische und englische Abteilungen haben allerdings auch bei Löwen mitgekämpft, denn unter den Tausenden von Verwundeten, die man nach Antwerpen brachte, befanden sich auch Franzosen und Engländer. Ihre Hauptmacht aber wurde rechtzeitig gegen Südwesten zurückgeschlagen.

Die Belgier, die übrigens sehr tapfer kämpften, glaubten sich denn auch von ihren Verbündeten schmählich betrogen. „Seit vierzehn Tagen,“ klagten ihre Soldaten einem holländischen Berichterstatter, „wurde uns von ihnen beständig Hilfe versprochen; aber wenn es darauf ankam, standen wir allein und mußten uns totschießen lassen. Unser Vormarsch wurde dreimal abgeschlagen. Wir haben gekämpft wie die Löwen, aber wir konnten gegen die Ubermacht nicht an; für jeden gefallenen Feind standen zehn neue auf. Und doch hätten wir wohl ausgehalten, wären unsere Leute nicht von dem grauenhaften Feuer der deutschen Maschinengewehre buchstäblich niedergemäht worden. Diese entsetzlichen Mordwerkzeuge speien buchstäblich den Tod. Da gab es keinen Widerstand. Auch hatten wir Mangel an Offizieren.“

Die Folge dieses blutigen Ringens war das Vorrücken der deutschen Truppen gegen Antwerpen, über dem am 26. ein Zeppelinluftschiff erschien; es warf Bomben aus, von denen eine die Gasanstalt zerstörte. So tapfer sich aber die Belgier hier wie anderwärts schlugen, eine unauslöschliche Schande haben sie doch gleichzeitig auf sich geladen, indem sie allenthalben die Zivilbevölkerung zum grausamsten Franktireurkrieg aufstachelten.
.

Gibt es erlaubte und nicht erlaubte Kriegslisten ?

Am schrecklichsten hat sich das in Löwen gezeigt. Die Obrigkeit hatte die Stadt regelrecht übergeben; mit den Bewohnern begann ein freundschaftlicher Verkehr. Dann rückten unsere Truppen wieder aus, den gemeldeten Vorstoß von Antwerpen abzuwehren; nur Abteilungen des
Landwehrbataillons Neuß blieben zurück, als  Eisenbahnbewachung. Als nun der zweite Teil des Generalkommandos dem Kommandierenden General zu Pferd folgen wollte und auf dem Markt antrat, wurde plötzlich aus den Häusern ringsum geschossen. Gleichzeitig erhob sich die Bevölkerung in zehn anderen Stadtteilen und beim Bahnhof, wo eben ein Militärzug einlief. An einem vorher verabredeten Zusammenarbeiten mit dem Ausfall aus Antwerpen ist nach amtlicher deutscher Darstellung nicht zu zweifeln. Das war keine erlaubte Kriegslist mehr, sondern eine verräterische Überrumplung durch die bürgerliche Bevölkerung. Die Waffen wurden nicht sichtbar getragen; auch nahmen wieder Frauen und Mädchen am Kampf teil. Strenge Bestrafung war die Folge. Die an der Teilnahme schuldigen Stadtteile, besonders die beim Bahnhof, wurden zusammengeschossen und dem Erdboden gleich gemacht. „Das Schauspiel war entsetzlich,“ beschreibt ein Augenzeuge die Vorgänge jener Schreckensnacht.

„Die Stadt brannte anallen Ecken. Dann wurden vor unseren Augen waffentragende Einwohner standrechtlich erschossen. Zwischendurch krachten die Gewehrschüsse. In den Gasthäusern explodierten die Spiritusfässer; es war ein Getöse, so fürchterlich, das ich heute noch davon halb taub bin. Der kommende Tag bot traurige Bilder. Da wurden neue Sünder herbeigebracht, mit ihnen kamen weinende und flehende Frauen und Kinder. Trotz allen Grimme über den tückischen Überfall, der planmäßig Punkt acht Uhr eingesetzt hatte, konnte sich kein deutsches Herz des Mitgefühls entziehen für diese schuldlosen Opfer. Oh, diese verblödeten Narren, die das Unglück über ihre schöne Vaterstadt brachten!“

Die belgische Regierung hat über die Gründe der Zerstörung von Löwen, die übrigens nur etwa ein Fünftel der Stadt betraf, die unverschämte Lüge Verbreitet, deutsche Truppen, beim Ausfall von Antwerpen zurückgeworfen, seien beim Rückfluten in die Stadt irrtümlich von den eigenen Landsleuten beschossen worden; darauf habe man sich so fürchterlich an den unschuldigen Bewohnern gerächt. Der beste und schlagendste Gegenbeweis ist wohl die Schilderung, die ein belgischer (!) Dominikaner in der „Kölnischen Volkszeitung“ gegeben hat; sie ist einfach überzeugend und unwiderleglich.
.

Und dann brannte Löwen

„Die belgische Regierung,“ lautet die Aussage, „erließ nach dem Einzug der deutschen Truppen eine Bekanntmachung, die zur Ruhe aufforderte und besonders vor dem Schießen warnte, da sonst schwere Strafen verhängt würden. Die Geistlichen wurden angewiesen, diese Kundmachung am Sonntag, dem 23. zu verkündigen und dem Volke einzuschärfen. Von dem deutschen Militär waren Geiseln festgenommen worden, die, da alles ruhig blieb, am 24. abends wieder freigelassen wurden. Am Dienstag, den 25., morgens wurde noch einmal in allen Kirchen zur Ruhe und Besonnenheit ermahnt. Am Nachmittag dieses Tages kamen um fünf Uhr neue deutsche Truppen an, die, wie auch die vorhergehenden, die mittlerweile Löwen wieder verlassen hatten, in der Stadt einquartiert wurden.

Bald darauf verbreitete sich in der Stadt das Gerücht, Engländer und Franzosen seien von zwei Seiten im Anzug. Man hörte um diese Zeit Kanonendonner und Gewehrfeuer. Alsbald wurden schon aus den  Häusern vereinzelte Schüsse auf die Soldaten abgegeben, was zur Folge hatte, daß um sieben Uhr dreißig Minuten abends die Soldaten unter die Waffen gerufen wurden. Da begannen die Bürger in größerer Zahl aus den Häusern auf die Deutschen zu schießen. Die Truppen antworteten mit Gewehr- und Maschinengewehrfeuer. Der Kampf dauerte die ganze Nacht hindurch. Schon gingen Häuser in Flammen auf, besonders in der Bahnhofstraße. Von der großen Peterskirche, in der man Waffen gefunden hatte, brannte das ganze Dach ab. Jeder, der sich am Fenster zeigte, wurde beschossen.

Die Geiseln wurden von neuem eingezogen und ins Rathaus verbracht. Darunter befanden sich der Vizerektor der Universität Coenraets, der Subprior der Dominikaner und noch zwei Priester. Vom Rathaus wurden diese Geiseln unter militärischer Begleitung durch die Straßen geführt, damit sie an den Straßenecken die Bewohnerschaft in Französisch und Flämisch zur Ruhe mahnten. Das dauerte bis vier Uhr nachts.

Gleichwohl wurde während dieser Zeit aus den Häusern geschossen. Die Soldaten erwiderten das Feuer, und die Brände mehrten sich. Am Mittwoch Mittag wurden die Geiseln von neuem durch die Straßen geführt, und sie verkündeten in beiden Sprachen, daß sie selbst erschossen würden, wenn der Widerstand nicht eingestellt werde.

Es nützte nichts; selbst während dieses Rundganges wurde das Feuern nicht eingestellt. Man schoß sogar auf die Soldaten, die die Geiseln begleiteten, ebenso auf den Arzt. Die ganze Nacht auf Donnerstag setzten sich diese Schändlichkeiten fort. Besonders auf dem Boulevard gingen nun immer mehr Häuser in Flammen auf.“

Der Franklireurkrieg von Löwen

Am 27. August erfolgte dann das Bombardement. Auch in der ganzen Umgebung von Löwen hatte sich die Landbevölkerung, Frauen und Mädchen inbegriffen, am Franklireurkrieg wieder beteiligt. Daß solchem Tun strengste Sühne folgte, also jeder mit Waffen Betroffene ohne Unterschied des Geschlechts der verdienten Strafe zugeführt wurde, ist nichts anderes als traurige Notwendigkeit. Löwen, französisch Louoain, ist eine uralte Stadt, die schon im 9. Jahrhundert genannt wird; hier erfocht am 1. September 891 König Arnulf einen entscheidenden Sieg über die Normannen. Später wurde es Sitz der Herzöge von Brabant. Im 14. Jahrhundert zählte die Stadt über 100.000 Einwohner; sie war die größte und reichste des Landes, was sie hauptsächlich ihrer blühenden Tuchweberei zu verdanken hatte, die sich von da nach England verbreitete.

Jm 16. Jahrhundert fiel die Hälfte der Bevölkerung der Pest zum Opfer. 1426 wurde die Universität gegründet, die zu hoher Berühmtheit gelangte. Von den großartigen Kunstbauten ist vor allem das - zum Glück fast unversehrt gebliebene - Rathaus zu nennen, 1448 - 1463 von Matthäus Layens erbaut, 1842 erneuert, mit reichen Zieraten in Spätgotik; ferner die schon erwähnte Peterskirche und die sogenannten Hallen, 1317 als Warenniederlage für die Tuchmacher erbaut, 1679 der Universität eingeräumt. Das Schloß des Königs Arnulf, schon vor dem Bombardement nur noch als Ruine erhalten, soll nach dem Volksglauben auf Julius Cäsar als Erbauer zurückgehen. Nach der letzten Volkszählung hatte Löwen rund 50.000 Seelen.

Von der Schlacht bei Longuyon

gibt der folgende Feldpostbrief, der uns von den Angehörigen eines württembergischen Unteroffiziers der Reserve zur Verfügung gestellt wird, eine anschauliche Schilderung.

Donnerstag, den 3. September 1914.
Meine Lieben!
Während vor uns die Kanonen unausgesetzt donnern, finde ich jetzt vielleicht einige Augenblicke, um Euch ein paar Zeilen über die furchtbare Schlacht bei Longuyon-Noers zu schreiben. Es war am Montag, den 24. August, um sieben Uhr, als wir, die elfte Kompanie, zum Schutze einer Batterie des ... Artillerieregiments gegen einen überlegenen Gegner an der Straße Longuyon - Noers lagen. - Vor uns links auf einer Anhöhe befanden sich zwei Maschinengewehre und ein Teil der Regimenter ... Es war furchtbar, das feindliche Granat- und Schrapnellfeuer, und bewunderungswürdig war es, wie die braven deutschen Soldaten standhielten. -  Unaufhörlich platzten die furchtbaren Granaten des Feindes in unseren Reihen. Rechts und links fielen die Kameraden zu Dutzenden, und tief ins Herz drang das Gestöhn der Verwundeten, denen man nicht helfen konnte. Das feindliche Artilleriefeuer wird nun so stark, daß wir langsam gegen Longuyon zurückweichen.
.

Völllig idiotische Befehle der Offziere

Dies bemerken unser Major Roschmann und unser Hauptmann, und sofort erhält unser erster Zug, in dem auch ich war, den Befehl, im höllischen Feuer die Zurückgehenden wieder mitzureißen. Einige vierzig Mann, voran der Major, Hauptmann und Leutnant, stürmen wir vor. Wir rufen aus Leibeskräften Hurra! Vorwärts! und erreichen auch, daß die Zurückgehenden wieder mitstürmen.

Von neuem geht’s auf die Anhöhe, wo die beiden Maschinengewehre sich heldenmütig mit halber Mannschaft halten; das Wasser geht aus, aber trotzdem wird weitergeschossen, daß die Läufe glühen. Die Anhöhe ist erreicht!

Furchtbares Gewehrfeuer empfängt uns, die wir atemlos verschnaufen. Viele, viele der armen Kameraden fallen, aber heldenmütig hält das kleine Häuflein die Höhe. Rechts von mir steht mein Major, aufrecht, die brennende Zigarre im Mund, das Gewehr an der Wange, und schießt ununterbrochen, links von mir kniet mein Hauptmann und schießt, und ich selbst, einen Strohhalm im Munde, todmüde, schieße ununterbrochen. Neben mir steht ein Unteroffizier, den Unterkiefer weggerissen, den Revolver in der Faust, und schießt heldenmütig. Er spricht mit den Augen, mit dem Mund kann er nimmer. Ein Held!

Ich verbrenne mir die Finger an meinem Gewehrlauf. Immer furchtbarer wird das feindliche Feuer, aber unser Häuflein denkt an kein Zurück. Patronen sind viele da durch die Gefallenen, es fehlt also nicht. Das Geräusch der anfliegenden und platzenden Granaten ist fürchterlich; wir ducken uns unwillkürlich bei den Granaten, die nur 10 Meter vor, neben und hinter uns einschlagen. Jedesmal sind wir mit Erde vollständig bedeckt, aber ein guter Engel scheint uns zu schützen. Da platzt eine Granate 10 Schritte vor mir. Ein Braver wird, das Gewehr und den Tornister in der Hand, etwa 15 Meter hoch in die Luft geschleudert. Furchtbar war dieser Anblick, und dicke Tränen liefen mir und manch anderem über die Wangen. Ein unheimlicher Grimm erfaßt mich, ich schieße wie wahnsinnig.

Wieder deckt uns die von einer Granate aufgeworfene Erde zu. Alles sieht sich um, aber mein Major und Hauptmann sind noch da, aufrecht stehend ersterer und ruhig seine Zigarre rauchend! Wir unterhalten uns im furchtbaren Zischen des Gewehrfeuers und im Krachen der Granaten. Vor wollen wir, nur vor.  -  Aber das Häuflein an dieser Stelle ist zu klein, wir können nur schießen und wieder schießen.
.

Wieder gefärbte Kriegspropaganda

Unzählige Tote und Verwundete liegen zwischen und hinter uns. Schrecklich ist das Gestöhn und Gejammer der Getroffenen. Man möchte so gerne den lieben armen Kameraden helfen, aber man braucht uns vorn nötig. Da werde ich von meinem Hauptmann zurückgesandt. Meinen Tornister lass' ich liegen (ich sah ihn nimmer) und laufe, so schnell mich meine Füße tragen können, gegen Longuyon, um Verstärkung zu holen.

Mit Tränen in den Augen muß ich an den vielen armen Kameraden vorbei, die mich anflehen, ihnen zu helfen, sie mitzunehmen. Der Schweiß läuft an mir nieder, meine müden Beine tragen mich kaum mehr, aber ich muß, beiße die Zähne zusammen und laufe mitten im fürchterlichen Feuer.

Da plötzlich erhalte ich einen Schlag an der linken Hand. Das Blut fließt über die Finger, ein Finger ist durchschossen. Ich verbinde mich im Gehen selbst und treffe einen General nach etwa einer Viertelstunde und richte meinen Auftrag aus. Dann begeb’ ich mich zum Verbandplatz nach Longuyon, um mich verbinden zu lassen. Zu beschreiben, was ich da sah, dazu fehlen mir die Worte, ich will’s Euch später zu erzählen versuchen. Still ging ich wieder, denn die da lagen, hatten Hilfe nötiger als ich. Jetzt heilt mein Finger schön.

Alle von dem kleinen Häuflein Helden sind von meinem Major zu einer besonderen Auszeichnung, möglichst zum Eisernen Kreuz, vorgemerkt und eingegeben worden. Ob wir’s erhalten, ist fraglich. Es geht weiter, und ich schließe. Ob ich ein zweites Mal wieder so entrinnen werde, ist mehr als fraglich. Hoffen wir! Jch möchte Euch so gerne wiedersehen! Tausend herzliche Grüße und Küsse von Eurem dankbaren Gustav.
.

Die Generale Dankl und v. Auffenberg.

(Hierzu die Bilder im Heft Seite 85.)

Der Plan des österreichisch-ungarischen Generalstabs, durch ein rasches, kühnes Vorgehen die gegen die nördliche galizische Grenze anrückenden russischen Armeen über den Haufen zu werfen, rechnete mit normalen Verhältnissen. Die Strategen unserer Verbündeten durften annehmen, daß die russische Mobilmachung erst 6-8 Wochen nach der Kriegserklärung völlig vollzogen sein würde. So entschloß man sich zum Vormarsch zweier Armeen, links und rechts der Weichsel, unter der Führung des Generals der Kavallerie Viktor Dankl. Bei Krasnik kam es zu einer dreitägigen Schlacht, an der beide Gruppen vereint teilnahmen. Sie warfen den Feind unter schweren Verlusten und trafen ihre Vorbereitungen zur Einnahme des umschlossenen Lublin. Eine zweite Armee, unter der Führung des Generals der Infanterie von Auffenberg, drang gegen Eholm in dem Raum Zamosc-Trzewodow vor. Auch sie schlug unter schweren Kämpfen den Feind; 80.000 Gefangene und 200 Geschütze fielen in ihre Hände.

Bei Lemberg stand der rechte Flügel der im Norden Galiziens kämpfenden österreichisch-ungarischen Truppen; sie bildeten die Hauptarmee. Man entschloß sich auch hier zum Vorstoß, mußte aber nach elftägigen, zum großen Teil erfolgreichen Kämpfen die Erfahrung machen, daß der Feind an diesem Punkte weit überlegene Kräfte ins Feld geführt hatte, die trotz allen Heldenmuts nicht zu werfen waren.

Die Führung dieser Armee entschloß sich nun, Lemberg preiszugeben und die Truppen in eine gesicherte Stellung zurückzunehmen, um ihnen einige Ruhe zu gönnen. Die Ablösung vom Feinde ging völlig glatt vor sich, worauf nach wenigen Tagen ein erneuter Vorstoß unternommen wurde. Es gelang, nicht nur den mittlerweile vordringenden Feind zum Stehen zu bringen, sondern ihn auch unter Gefangennahme von 10.000 Mann und mit Verlust von zahlreichen Geschützen zurückzudrängen.

Diese strategischen Maßnahmen haben bewiesen, daß der österreichisch- ungarische Generalstab aus den tüchtigsten Kräften zusammengesetzt ist und daß beide Generale, Dankl wie Auffenberg, wagemutige und heldenhaft kämpfende Truppen gegen den Feind führten. General der Kavallerie Viktor Dankl wie General der Infanterie Moritz Ritter von Auffenberg wurden für ihre hervorragenden Waffentaten vom Kaiser von Osterreich durch Verleihung des Großkreuzes des Leopoldordens mit Kriegsdekoration ausgezeichnet.
.

Die Lebensläufe der Generäle

Ersterer (Viktor Dankl) war bis kurz vor dem Kriege Kommandant des 14. Korps und Landesverteidigungskommandant von Tirol und Vorarlberg. Er wurde, im Jahre 1854 geboren, 20 Jahre alt aus der Wiener-Neustädter Militärakademie als Leutnant zum 8. Dragonerregiment ausgemustert. Der junge Offizier besuchte die Kriegschule und trat dann in den Generalstab ein. Zur Linie versetzt, wurde er Stabschef einer Kavalleriedivision, darauf Generalstabschef des 18. Korps, später Ehef des Direktionsbure aus des Generalstabes. Mittlerweile zum Generalmajor befördert, wirkte er als Kommandant der 86. Jnfanteriedivision in Agram, dann in Jnnsbruck. Er hat sich schon bei den großen Armeemanövern im Jahre 1908 besonders ausgezeichnet und jetzt vor dem Feinde den Ruf großer Tüchtigkeit in hervorragender Weise gerechtfertigt.

General der Jnfanterie von Auffenberg entstammt einem württembergischen Adelsgeschlechte. 1852 in Troppau geboren, erhielt er die erste militärische Ausbildung im Kadetteninstitut zu Hainburg und in der Militärakademie zu Wiener-Neustadt, die er im Jahre 1871 als Leutnant verließ. Auch er besuchte die Kriegschule und wurde dann dem Generalstab zugeteilt. Er machte in dieser Eigenschaft den Okkupationsfeldzug im Jahre 1878 mit und fand dann Verwendung im Eisenbahnbureau und im Militärgeographischen Jnstitut. In die Linie versetzt und mittlerweile bis zum Oberst aufgerückt, kommandierte er das 28. und dann das 78. Infanterieregiment, später die 65. Infanteriebrigade.

In dieser Stellung rückte er zum Generalmajor vor. Im Jahre 1905 erhielt er als Feldmarschalleutnant das Kommando der 36. Infanterietruppendivision in Agram. Der Kaiser betraute ihn dann mit dem Amt eines Generalinspektors der Korpsoffizierschulen und mit der Ausgestaltung und Neuordnung dieser Schulen, wobei er sich in hohem Grade verdient machte. Er war zuletzt Kommandant des 15. Korps und Kommandierender General in Serajewo.
.

Die Heeresleitung gibt bekannt - Frontbegradigung

Der rechte Flügel der in Galizien bei Lemberg kämpfenden Truppen wird von Erzherzog Friedrich befehligt. Sein Großvater hat bei Aspern die Franzosen unter Napoleon 1., sein Oheim bei Eustozza die Italiener besiegt. Dem Erzherzog zur Seite steht der Chef des Großen Generalstabs Freiherr Konrad von Hötzendorf, ein anerkannt genialer Stratege, der indessen bei Lemberg bis jetzt, wie schon oben gesagt, nur Teilerfolge zu verzeichnen hat, weil hier dem Hauptstoße der gewaltigen russischen Übermacht mit fast übermenschlichen Anstrengungen in dreiwöchigem Kampfe begegnet werden mußte.

Die Heeresleitung gibt bekannt, daß diesem Flügel 860.000 Russen mehr gegenüberstanden. Die Teilerfolge konnten, so groß sie auch gewesen sind, nicht ausgenutzt werden, weil die Russen in der Lage waren, für jede geschlagene Division eine neue vorzuschicken. Strategische Rücksichten erforderten die Zurücknahme dieses Flügels in eine gesicherte Stellung, an deren Erzwand nun die ungeheure russische Überzahl zerschellen soll. Diese Zurücknahme des bei Lemberg kämpfenden rechten Flügels in Verbindung mit dem Aufmarsch neuer russischer Kräfte bei Lublin und südlich von Eholm konnte nicht ohne Rückwirkung auf das Zentrum und den linken Flügel bleiben.

Um die Verbindung aufrecht zu erhalten und die neue geschlossene Front zu bilden, mußten auch die Streitkräfte der siegreichen Generale Dankl und Auffenberg in größerem Maße zurückgenommen werden. In der Armee Auffenbergs, so berichtet der „Pester Lloyd“, mußte der Befehl, sich vom Feinde abzulösen, zweimal gegeben werden. Die braven Soldaten wollten, weil ihnen die höhere strategische Einsicht für diese notwendige Maßnahme mangelte, nicht daran glauben. Waren sie doch seit Wochen ständig vorgedrungen, hatten den Feind geschlagen, Gefangene gemacht und Geschütze erbeutet, und nun sollten sie die errungenen, heldenmütig erkämpften Vorteile aufgeben.

Jetzt sind diese beiden siegreichen Armeen mit der Hauptmacht, die bei Lemberg mehrwöchentlich im Kampfe stand, vereinigt. Sie werden
auf einem engeren und günstigeren Raume vereint dem russischen Ansturm Trotz bieten, bis sich durch die fortgesetzte Schwächung des Feindes die Wendung zum Besseren ergibt.

Der französische Aufmarschplan.

Im Tagebuch eines französischen Offiziers, der bei Verdun gefangen wurde, befand sich, wie dem „Deutschen Volksblatt“ berichtet wird, der französische Aufmarschplan, der wie folgt lautet:

  • 1. Armee, Maubeuge: 1., 2., 3. und 10. Armeekorps
  • 2. Armee, Verdun: 9., 11., 4. und 6. Armeekorps
  • 3. Armee, Toul: 20., 5. und 8. Armeekorps
  • 4. Armee, Epinal: 18., 12., 17. und 18. Armeekorps
  • 5. Armee, Belfort: 7., 14., 15. und 16. Armeekorps


Jede Armee setzt sich zusammen aus 500.000 Mann, insgesamt also 2.500.000 Mann, die für die Offensive verfügbar sind, ohne die Territorialtruppen zu rechnen.

Die 1. Armee vereinigt sich mit den englischen und belgischen Armeen, besetzt nach dem Durchmarsch durch Belgien Köln und Koblenz und wirft sich den aus Norddeutschland vorstoßenden deutschen Streitkräften entgegen. Die 2. Armee besetzt (!) Metz und wendet sich nach dessen Einnahme gegen Saarlouis und Koblenz, wo sie ihre Vereinigung mit der 1. Armee vollziehen wird. Die 3. Armee dringt in Lothringen ein, besetzt den nördlichen Teil der Vogesen und wird dann ihren Standort vor Straßburg verlegen. Die 4. Armee wird die übrigen Teile der Vogesen besetzen und dann den anderen Armeen als Reservearmee folgen. Die 5. Armee wird sich Altkirchs und Mülhausens bemächtigen und dann ihren
Standpunkt vor Straßburg verlegen, das zu nehmen ist, und wird ihre Vereinigung mit der 3. Armee herbeiführen.

Es bleiben uns also nur noch 3 Armeen, die Armee A in Koblenz, die Armee C in Straßburg, die Armee D als Reserve.

Aus diesem französischen Operationsplan geht mit zwingender Beweiskraft hervor, daß nicht nur die Engländer, sondern auch die Belgier ein Zusammenwirken mit den französischen Truppen von Anfang an verabredet hatten. Sie brandschatzen ihr eigenes Land. Unseren Truppen ist folgender Befehl des Kommandanten der 1. französischen Armee in die Hände gefallen:

Übersetzung:
„Es ist dem Oberbefehlshaber der 1. Armee durch die Stadtbehörde von Rambervillers zur Kenntnis gebracht worden, daß die Soldaten in dieser Stadt zu Akten der Gewalttätigkeit und der Plünderung sich haben hinreißen lassen. Diese Handlungen sind um so bedauerlicher und verwerflicher, als sie auf französischem Boden begangen worden sind. Der Kommandierende General des 21. Armeekorps wird sofort eine
Untersuchung in dieser Angelegenheit einleiten, damit die Urheber dieser Verbrechen dem Kriegsgericht übergeben werden können. Gezeichnet: Dubail.“

Mit diesem Dokument wird die besonders bei unserer kronprinzlichen Armee gemeldete Wahrnehmung, daß die französischen Truppen sogar im eigenen Lande plündern und rauben, von amtlicher französischer Seite bestätigt.
.

bald geht es auch hier weiter . . . . . .

.

- Werbung Dezent -
Zur Startseite - © 2006 / 2025 - Deutsches Fernsehmuseum Filzbaden - Copyright by Dipl.-Ing. Gert Redlich - DSGVO - Privatsphäre - Redaktions-Telefon - zum Flohmarkt
Bitte einfach nur lächeln: Diese Seiten sind garantiert RDE / IPW zertifiziert und für Leser von 5 bis 108 Jahren freigegeben - Tag und Nacht, und kostenlos natürlich.