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Der Tip, sich um Dr. Kalbus (Dez. 1890; † Juli 1987) zu kümmern

Der Vater des Autors gr war viele Jahre bei der UFA Handel und hat einiges an Unterlagen aufgehoben und im hintersten Fach seines Bücher-Schrankes gelagert. So kommen diese UFA Seiten zustande. Weit mehr an Literatur ist offensichtlich von dem ehemaligen Direktor der UFA Dr. Kalbus gerettet worden. Der Name ist bei uns in der Familie aber nie aufgetaucht, obwohl unsere Muter auch eine Zeit lang bei der UFA in Berlin gearbeitet hatte.

So sind in diesem Artikel einige wertvole Infos enthalten, die sich mit verlinkten Querverweisen erst so richtig öffnen.
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Die Literatur-Sammlung von Dr. Oskar Kalbus in der Unibliothek Heidelberg

Vor rund vierzig Jahren, am 21. August 1962, traf in der Heidelberger Universitätsbibliothek ein wertvolles Geschenk ein. Aus Bad Homburg kommend, wurden etwa 1.100 Bücher, Broschüren und Zeitschriften zu allen Fragen des Filmwesens angeliefert.

Die Schenkung war dem ehemaligen Ufa-Direktor und Filmhistoriker Dr. Oskar Kalbus (9. Dez. 1890 in Berlin; † 8. Juli 1987) zu verdanken, der so der Heidelberger Universitätsbibliothek überhaupt erst zu einem nennenswerten Bestand verhalf: Hatte der Realkatalog bis dahin lediglich 40 Titel zum Film ausgewiesen, besaß man nun eine höchst respektable Sammlung.

Der Stifter

Oskar Albert Kalbus wurde am 9.12.1890 in Berlin geboren. Ein Studium der Philosophie, Germanistik und Romanistik in Berlin und Greifswald schloß er 1914 mit einer romanistischen Dissertation ab. Am Ersten Weltkrieg nahm er als Freiwilliger teil und erhielt in dessen Verlauf das Eiserne Kreuz.

Nachdem er nach Kriegsende zunächst kurze Zeit als Syndikus und Versammlungsredner eines Interessenverbands gearbeitet hatte, trat er 1920 als wissenschaftlicher Referent in die Kulturfilm-Abteilung der Universum-Film AG (Ufa) ein. In der Ufa blieb er bis zum Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ tätig, wobei sowohl die Übernahme der Ufa durch den Hugenberg-Konzern 1927 als auch die „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten seine Karriere nicht hemmten.

Bis 1926 im Bereich Kulturfilm angestellt, stieg Kalbus anschließend innerhalb der Sparte Filmverleih auf. 1927 erreichte er die Prokura für die Ufa-Verleihbetriebe, 1933 wurde er Mitglied des geschäftsführenden Direktoriums. *1)

Mitläufer oder ..........?

Aus seiner deutschnationalen Gesinnung machte Kalbus auch nach 1945 keinen Hehl. So lesen wir etwa in den Lebenserinnerungen, daß mit den nationalsozialistischen Machthabern „zum ersten Mal in der Geschichte der Kinematographie [...] filmfreundliche Männer ans Ruder [kamen]; und während heute vor allem noch Goebbels’ Propagandaaktion gegen den Film „Im Westen nichts Neues“ vom Dezember 1930 in Erinnerung ist, beklagt Kalbus „Krawalle und Demonstrationen gegen die national gesinnten Filme der Ufa“.

Die Agitation der Berliner SA gegen die Remarque-Verfilmung gerät so zu einem verzeihlichen „Gegenschlag“. *2) - Seit 1940 auch Mitglied der NSDAP, gelang es Kalbus nach Kriegsende zunächst nicht, wieder im Filmgeschäft Fuß zu fassen.
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Beruflich "geparkt" bis 1950

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  • Anmerkung : Herrn Dr. Kalbus gelang es erst 1950, hier wieder beruflich Fuß zu fassen. - Das klingt nahezu baugleich mit der Vita der Dr. Fritz Schröter, Technik Chef bei Telefunken und damit erheblich belastet, der notgedrungen bis 1950 in Frankreich unterkam, weil er hier in den besetzten Gebieten keinerlei Beschäftigung mehr bekam.

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Erst 1950 glückte ihm als Verleihchef der deutschen Columbia die Rückkehr. Als Generaldirektor schied er dort 1955 aus dem aktiven Berufsleben aus. Oskar Kalbus starb 1987 mit 97 Jahren, wobei er sich bis ins hohe Alter einer bemerkenswerten geistigen Frische erfreute. So ließ er sich lange Bücher aus der Heidelberger UniBibliothek an seinen Wohnsitz schicken und teilte z.B. noch als Zweiundachtzigjähriger mit, daß er unter dem Eindruck der 1968er- Bewegung nun Bloch, Adorno, Horkheimer, Habermas und Abendroth lese, „um für die Änderung und Neuordnung der Welt durch die Neomarxisten nicht zu blind zu bleiben.“ *3)
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"Vom Werden deutscher FIlmkunst"

Im Rahmen seines Berufes und darüber hinaus tat sich Kalbus seit Anfang der zwanziger Jahre auch als Filmpublizist hervor. Besonders erwähnenswert ist seine zweibändige illustrierte Geschichte des deutschen Films, die 1935 erschien.

Da er hier auch jüdische Akteure berücksichtigt hatte, durfte ein geplanter dritter Band zum Film im „Dritten Reich“ nicht mehr erscheinen. Nicht wenig stolz war Kalbus außerdem auf eine Dokumentation über die Filmdiva Henny Porten (1890-1960), bei der er Drehbuch und Regie verantwortete. *4)
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Kalbus’ Verbindungen zu Heidelberg

Kalbus’ Verbindungen zu Heidelberg waren vielfältig. 1921 hatte er in Heidelberg Maria (Maja) Sajons geheiratet, die in Heidelberg aufgewachsen war. 1924/25 und 1945/46 wohnte das Ehepaar nachweislich in der Stadt, nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Haus von Majas Eltern in der Handschuhsheimer Landstraße.

1925 hatte sich Kalbus sogar mit der Herausgabe einer kulturellen Monatszeitschrift versucht, des „Kaktus Heidelbergensis“, was seine starke Identifikation mit dem Wohnort belegen mag. Die Zeitschrift kam freilich über sechs Nummern nicht hinaus.

Wohl über die 1954 gegründete „Deutsche Gesellschaft für Filmwissenschaft“ fand Kalbus als Ruheständler Kontakt zu Professor Hans von Eckardt (1890-1957), dem Leiter des Instituts für Publizistik an der Heidelberger Universität.

Von Eckardt beabsichtigte offenbar, in seinem Institut auch den Film stärker zu berücksichtigen und schlug Kalbus vor, filmkundliche Lehrveranstaltungen zu halten. Da er jedoch bald darauf starb und die institutionelle Publizistikforschung an der Ruperto Carola wenig später aufgegeben wurde, blieb es bei dem Plan. Gleichwohl ist anzunehmen, daß Oskar Kalbus im Rahmen dieser Überlegungen auf den Gedanken kam, seine Filmbibliothek der Heidelberger Universitätsbibliothek anzubieten. Eindeutig zu belegen ist dieser Zusammenhang aber nicht.
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Die Schenkung

Von Kalbus’ Absicht, seine Sammlung nach Heidelberg zu geben, zeugt in den Akten der Heidelberger Universitätsbibliothek erstmals eine Notiz des Bibliotheksdirektors Carl Wehmer (1953-1965) vom Januar 1956

„Heute war Herr Dr. Kalbus, Bad Homburg vor der Höhe, Promenadenweg 81, bei mir“ - heißt es darin, „um über das spätere Vermächtnis seiner Filmbibliothek [... zu sprechen]. Da es sich nach seinen Angaben um eine in sich geschlossene größere Fachbibliothek handelt, habe ich grundsätzlich zugestimmt. Dr. Kalbus will im Sommer seinen Besuch wiederholen und Einzelheiten besprechen.“ *1)

Von dieser ersten Absichtserklärung bis zum Eintreffen der Bücher vergingen einige Jahre. Kalbus hatte inzwischen seine eigenen Schriften vorab gesandt und sich um 1960 entschieden, die Bibliothek als „Kalbus-Stiftung 1960“ nicht erst nach seinem Tod, sondern schon zu Lebzeiten zu übergeben.

Nachdem der überwiegende Teil der Bücher im August 1962 angekommen war, schickte er noch einige Reste nach, u. a. die Geschäftsberichte der Ufa. Später ergänzte er den Bestand relativ kontinuierlich durch Neuwerbungen. Der in der folgenden Zeit geführte Briefwechsel zwischen Stifter und Bibliothek kannte im wesentlichen zwei Themen: erstens die Einarbeitung und Aufstellung des Geschenks, zweitens dessen Bekanntmachung in den potentiell interessierten Benutzerkreisen.
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Bis 1966 tat sich in der Bilbliothek so gut wie nichts

Zu seinem Leidwesen mußte Kalbus zunächst akzeptieren, daß seine Bücher trotz beharrlichen Drängens mehrere Jahre nicht bearbeitet wurden. Die Neujahrsgrüße für 1966 an den nun amtierenden Bibliotheksdirektor Walter Koschorrek (1965-1978) klingen entsprechend deprimiert.

„Für das neue Jahr 1966 habe ich eigentlich nur noch den Wunsch zu erleben“, schreibt Kalbus, „daß meine im Jahre 1960 der Universitätsbibliothek gestiftete Filmbücherei zumindest 1966 zu der Aufstellung kommt, die wir beide so oft besprochen haben.“

Zu Recht verwies Kalbus dabei auch auf die fortschreitende Institutionalisierung der Film- und Fernsehforschung und -ausbildung. Die Studierenden der neuen Einrichtungen in München (Hochschule für Fernsehen und Film, gegr. 1966) und Berlin (Deutsche Film- und Fernseh-Akademie, gegr. 1966) seien an dem Bestand gewiß interessiert.

Erst Herbert Haas fing 1966 an, zu sichten und inventarisieren

Koschorreks Versicherung von Mitte Januar 1966, er habe die Bibliothek jetzt „ernsthaft in Angriff nehmen lassen“ war entgegen früheren Versprechen zutreffend. Unter Anleitung des Bibliothekars Herbert Haas, des nachmaligen Direktors der Mannheimer Universitätsbibliothek, war die Sammlung Kalbus bis Ende 1966 tatsächlich zumindest gesichtet, inventarisiert und buchbinderisch bearbeitet.

Die Katalogisierung schloß sich daran an. Auf Vorschlag der Bibliothekare selbst wurde die Sammlung nicht in das bestehende Signaturensystem integriert, sondern unter der Sondersignatur „Kalbus“ separat aufgestellt. Jeder Band erhielt ein eigens entworfenes Exlibris, das den Bestand bis heute kennzeichnet.

Als Nachweisinstrumente produzierte man drei spezielle Zettelkataloge: einen alphabetischen, einen systematischen und einen nach Signaturen geordneten. Darüber hinaus wurden die Titel auch in die allgemeinen alphabetischen Kataloge eingeordnet. Dubletten innerhalb der Sammlung bzw. zum bereits Vorhandenen blieben erhalten.

Das entsprechende Engagement ebbte doch bald ab

Wenngleich Bibliotheksdirektor Koschorrek zunächst bekundet hatte, „Filmliteratur künftig in größerem Umfang zu sammeln als früher“ und noch in einem Bibliotheksführer Mitte der 19siebziger Jahre dies auch als besonderes Sammelgebiet aufgeführt ist *6), ebbte das entsprechende Engagement doch bald ab. Die Sammlung Kalbus als Kern einer größeren Filmbibliothek - das blieb bei Schenker wie Beschenkten eher Wunsch als Wirklichkeit.

In den jüngeren Erwerbungsprofilen der Universitätsbibliothek war von einem Sammelschwerpunkt Film auch nicht mehr die Rede. Länger noch als die Frage der Buchbearbeitung beschäftigte Oskar Kalbus, wie für die Sammlung am besten zu werben sei.

Daß „wir die interessierte wissenschaftliche Öffentlichkeit von dem Vorhandensein des Materials in der Universitätsbibliothek Heidelberg auf irgendeine Weise unterrichten müssen“, hatte Direktor Koschorrek selbst betont. *7) In der folgenden Zeit war es aber auch in diesem Punkt wieder eher der Stifter, der auf konkretes Handeln drängte und - da er hier zweifellos besser Bescheid wußte als bei der Katalogisierung - mit praktischen Vorschlägen nicht sparte. So empfahl er unter anderem prominente Persönlichkeiten, die über die Kalbus-Stiftung schreiben sollten (u.a. den Heidelberger Politikwissenschaftler Dolf Sternberger) und präsentierte im Sommer 1976 schließlich sogar einen eigenen Entwurf für einen „stimulierenden Artikel“ nebst Empfehlungen zu den Druckorten.

Erkennbare Früchte trugen die Bemühungen nicht. Während die schleppende Einarbeitung der Sammlung noch mit dem gravierenden Personalmangel der Heidelberger Universitätsbibliothek in jenen Jahren zu rechtfertigen ist, fällt eine Verteidigung der mangelhaften Öffentlichkeitsarbeit schwerer.

Bis 1973 tat sich dann wieder nichts

Daß bis 1973 im Realkatalog der Universitätsbibliothek unter der Systemstelle „Film“ nicht einmal ein Verweis auf die Sammlung Kalbus vorhanden war, spricht für eine gewisse Ideenlosigkeit, wenn nicht Indolenz unter den Bibliothekaren.

Auch auf diese fehlende Verweisung machte der Stifter persönlich aufmerksam. Während eines Besuches in der Universitätsbibliothek habe er kürzlich empfohlen, schrieb Kalbus im August 1973 unverändert höflich an Walter Koschorrek, „in dem Großen Realkatalog Ihres Katalogsaales unter „Film“ unbedingt einen deutlichen Hinweis zu bringen, daß die Universitätsbibliothek einen Sonderkatalog über filmkundliche Bücher (Kalbus-Stiftung) besitzt und diese auch ausleiht.

Ein solcher Hinweis scheint mir unbedingt erforderlich, da ein der Filmkunde beflissener Katalogbesucher sonst niemals etwas über die Reichhaltigkeit der dortigen Filmbücherei erfahren würde und auch nicht, daß die Heidelberger Universität von allen Universitäten Deutschlands zur Zeit über die größte Bücherei über das Massenmedium Film verfügt.“ *8)
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Der Bestand

Ob Kalbus seine Bibliothek 1973 wirklich noch als größte Spezialsammlung in deutschen Universitäten bezeichnen durfte, ist nicht mehr nachprüfbar, letztlich aber auch sekundär. Fest steht, daß er, als er seinen Schatz der Universitätsbibliothek überließ, eine der damals bedeutendsten Forschungsbibliotheken zu einem noch recht jungen Wissenschaftsfach übergab. Eine Stiftung Deutsche Kinemathek, ein Deutsches Filmmuseum, eine Gesellschaft für Filmstudien oder der Arbeitskreis Filmbibliotheken entstanden zum Teil erst Jahrzehnte später.
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Die Bewertung

Mit dem sukzessiven Aufbau und der zunehmenden Differenzierung der Filmforschung und -ausbildung verlor die Sammlung Kalbus freilich nach und nach an Wert. Heute gibt es wesentlich umfangreichere Sammlungen, z. B. die gemeinsame Filmbibliothek des Deutschen Filmmuseums und des Deutschen Filminstituts oder der Bestand der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main als Sondersammel- Gebietsbibliothek der Deutschen Forschungsgemeinschaft.

Dank verschiedener Unikate und zahlreicher äußerst seltener Schriften vermag die Sammlung Kalbus gleichwohl bis in die Gegenwart die Bestände an anderen Orten wertvoll zu ergänzen. Kalbus hatte sich ab 1919 für das Gebiet interessiert und seine Erwerbungen seitdem ständig fortgeführt.

Die Erscheinungszeit der rd. 1.100 Bände reicht von 1911 bis etwa 1970, wobei ein deutlicher Schwerpunkt in den zwanziger und dreißiger Jahren liegt. Inhaltlich sind alle Fragen des Filmwesens berührt, darunter die Themenbereiche Filmproduktion, Film- und Kinotechnik (z.B. Frühgeschichte des Tonfilms), Filmwirtschaft, Filmrezeption, einzelne Schauspieler und Regisseure sowie einzelne Filmsparten (bes. Kultur- und Lehrfilm).
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Die Geschäftstätigkeit der Ufa hervorragend dokumentiert

Aus den Gebieten der Filmwirtschaft und Filmproduktion ist besonders die Geschäftstätigkeit der Ufa hervorragend dokumentiert, in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ eine Medienmacht ersten Ranges.

So finden wir neben den Geschäftsberichten der Ufa (Kalbus 732) die Ufa-Verleihkataloge für die Kinobesitzer (Abb. 4; Kalbus 741) sowie verschiedene Schriftenreihen, die den enormen Werbeaufwand der Filmindustrie belegen.

Für Journalisten erarbeitete die Ufa-Presseabteilung zu jeder Produktion umfängliche „Feuilletons und Vornotizen“ (Kalbus 799). Daneben erschien wöchentlich das „Ufa-Feuilleton“ (Abb. 5; Kalbus 728) mit ebenfalls kostenlos nachdruckbaren Texten über aktuelle Filme, Drehorte, Schauspieler und technische Innovationen.

Wohl eher an Kinobesitzer richteten sich die aufwendig gestalteten „Reklame-Ratschläge“ (Kalbus 800), die Hintergrundinformationen zu einzelnen Filminhalten und -schauspielern mit sehr konkreten Werbeanleitungen verbanden. Ebenfalls werbenden Charakter hatte die Reihe „Ufaton-Schlager“ (Abb. 6; Kalbus 731), die Presse und Publikum regelmäßig die Noten zu den aktuellen Filmmelodien verfügbar machte.

Mit der Expansion in die Nachbarländer veröffentlichte die Ufa auch fremdsprachiges Material. Als exotisches Beispiel bietet die Sammlung ein „Ufa-Magazin“ in ungarischer Sprache (Kalbus 727). Unmittelbar aus Kalbus’ Arbeit stammen einige ungedruckte bzw. hektographierte Dokumente. Hervorzuheben sind hier etwa die Ufa-Richtlinien für den Filmvertrieb aus den letzten Tagen des „Dritten Rei-ches“ (Kalbus 707) oder das „Material für die Vertriebschefs-Tagung in Berlin“ vom November 1944, das unter anderem die detaillierte Kriegsschadensbilanz der Ufa-Kinos im Reich enthält (Abb. 7; Kalbus 680).
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Es gab noch viel mahr als die Unterlagen der UFA

Alle genannten Periodika wurden der Zeitschriftendatenbank (ZDB) bislang von keiner Bibliothek gemeldet. Nicht ganz so selten wie die Schriften der Ufa, doch selten genug sind die offiziellen Publikationen der Reichsfilmkammer, die als Teil der Reichskulturkammer ab 1933 das deutsche Filmschaffen kontrollierte.

Zu nennen sind hier „Pressedienst“ (Kalbus 7) und „Jahrbuch“ (Kalbus 17) der Reichsfilmkammer sowie der offenbar nur 1934 erschienene „Jahresbericht“, erstattet „in Dankbarkeit und Aufbauwillen dem Förderer der deutschen Filmkunst, Herrn Reichsminister Dr. Goebels“ (Kalbus 385).

Unikate aus Kalbus’ beruflicher Arbeit gehören zu den weiteren Kostbarkeiten der Sammlung. Hervorgehoben seien ein zweiteiliges Manuskript zur Vorlesung „Wesen und Geschichte des Films“, gehalten im W-Semester 1938/39 und S-Semester 1939 an der Deutschen Filmakademie (Kalbus 783), Materialsammlungen zu den Filmen „Wege zu Kraft und Schönheit“ (1925, Kalbus 521) und „Henny Porten“ (1928/29, Kalbus 339) sowie 14 Bände mit Archivalien aus der Zeit als Verleihchef der deutschen Columbia (Kalbus 798).
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Das Filmwesen in der frühen Bundesrepublik

Die enthaltenen Dokumente - Pressematerial, Rundschreiben, Photos - beleuchten aus erster Hand das Filmwesen in der frühen Bundesrepublik. Neben sehr seltenem Kleinschrifttum über die Frühgeschichte des Films enthält die Sammlung auch einige heute besonders gesuchte Erstausgaben der klassischen Filmliteratur.

In der Gruppe der Sachbücher zählen hierzu Carlo Mierendorffs „Hätte ich das Kino!!“ (1920, Kalbus 138), Rudolf Arnheims „Film als Kunst“ (1932, Kalbus 100) oder Siegfried Kracauers „From Caligari to Hitler“ (1947, Kalbus 432).

Als belletristische Titel aus dem Filmmilieu stechen Arnolt Bronnens Roman „Film und Leben. Barbara La Marr (1928, Kalbus 322) oder Heinrich Eduard Jacobs „Blut und Zelluloid“ (1930, Kalbus 134) hervor.

Erwähnt seien schließlich Publikationen von und über Leni Riefenstahl, besonders „Kampf in Schnee und Eis“ (1933, Kalbus 524), „Hinter den Kulissen des Reichsparteitags-Films“ (1935, Kalbus 431) und „Leni Riefenstahls Olympia-Film“ (1936, Abb. 8; Kalbus 523).
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Die Intention dieses Artikels aus 2002

In Ausführung des Stifterwillens und im Interesse der interessierten Öffentlichkeit möchte die Universitätsbibliothek die Sammlung Kalbus breiter bekanntmachen. Der vorliegende Beitrag versteht sich als Baustein auf diesem Weg.

Für das Jahr 2003 ist daneben die Überführung des Alphabetischen Zettelkatalogs der Sammlung in maschinenlesbare Form geplant. Ziel einer solchen Maßnahme ist die Verbesserung des Retrievals (vielfältige Suchfunktionen) und der Katalogverfügbarkeit (weltweite Recherche rund um die Uhr).

Ergebnis ist meist eine spürbar wachsende Nachfrage nach dem so erschlossenen Bestand. Darüber hinaus wird geprüft, inwiefern einige urheberrechtsfreie Teile der Sammlung gescannt und online benutzbar gemacht werden können. Von besonderem Reiz sind in diesem Zusammenhang die kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Publikationen der Ufa, die auch die generellen Digitalisierungs-interessen der Heidelberger Universitätsbibliothek als Sondersammelgebietsbibliothek für Kunstgeschichte am besten ergänzen. Ein furioses Happy End für die Sammlung Kalbus scheint somit nicht ausgeschlossen.

geschrieben von Achim Bonte im Jahr 2002
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Literatur, Anmerkungen und Verweise

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  1. *1) Zur Biographie Kalbus’ vgl. CineGraph. Lexikon zum deutschsprachigen Film, s.v. Oskar Kalbus (Lg. 9, 1987); Maja Kalbus, Die besten Jahre eines Lebens für den Film. Eine Rückblende auf sieben Jahrzehnte (Wiesbaden o.J. [1962]). Zur Geschichte der Ufa vgl. Hans-Michael Bock/ Michael Töteberg (Hrsg.), Das UfaBuch. Kunst und Krisen, Stars und Regisseure, Wirtschaft und Politik (Frankfurt am Main 1992); Klaus Kreimeier, Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns (München u.a. 1992).
  2. *2) Vgl. Die besten Jahre eines Lebens, S. 58f. Inhalt und Diktion des Buches lassen vermuten, daß Kalbus selbst daran mitgearbeitet hat.
  3. *3) Oskar Kalbus an Walter Koschorrek am 12.8.1973, in: Akten der Universitätsbibliothek Heidelberg 5 (SeparatBibliotheken), Fasc. 2 (1936-1975).
  4. *4) U.a. verfaßte Kalbus folgende Bücher und Broschüren: Der deutsche Lehrfilm in der Wissenschaft und im Unterricht (Berlin 1922); Das Schul- und Volksbildungskino (mit Ernst Krieger u. Ralph Sterzenbach, Leipzig u.a. 1922); Wege zum Deutschen Institut für Filmkunde (mit Hans Traub, Berlin o.J.); Vom Werden deutscher Filmkunst (Altona-Bahrenfeld 1935); Die Situation des deutschen Films (Wiesbaden 1956); Wir brauchen ein Film-Europa (Wiesbaden 1956); Pioniere des Kulturfilms (Karlsruhe 1956); Filme der Gegenwart (Heidelberg 1957).
  5. *5) Zur Geschichte der Schenkung vgl. die Akten der Universitätsbibliothek Heidelberg 5,2 (vgl. Anm.3).
  6. *6) Vgl. Koschorrek an Kalbus v. 14.11.1966: Hinweis auf den Ankauf einer großen Zahl von Filmprogrammen „aus einem Sonderangebot“. Der Bibliotheksführer: Walther Gebhardt, Spezialbestände in deutschen Bibliotheken (Berlin u.a. 1977), S.239-243, 240. Die enthaltenen Angaben beruhen auf einer 1973/74 durchgeführten Fragebogenaktion.
  7. *7) Koschorrek an Kalbus v. 20.11.1962.
  8. *8) Kalbus an Koschorrek v. 12.8.1973.

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